August 2016: „Wie sicher leben wir? – Was kann Kriminalprävention leisten?“

Landrat Michael Cyriax hatte die Geschäftsführer des Präventionsrates Main-Taunus-Kreis Peter Nicolay und Jürgen Moog um einen Vortrag bei den Dienstag-Abend-Gesprächsrunden des Rotary-Clubs Bad Soden-Königstein in der Villa Borgnis in Königstein am 02.08.2016 gebeten. Nach der Begrüßung der gut 30 Clubmitglieder durch Präsident Dr. Herbert Meyer stellte Landrat Cyriax den ehemaligen Referenten der Landräte Jochen Riebel und Berthold Gall, Peter Nicolay, und den ehemaligen Leiter der Polizeidirektion Main-Taunus, Jürgen Moog, als Referenten vor. Den Part Sicherheit übernahm Jürgen Moog und die Kriminalprävention im Main-Taunus-Kreis stellte Peter Nicolay vor.

Foto links: v.l. Landrat Michael Cyriax, Peter Nicolay, Jürgen Moog, Präsident RC Bad Soden-Königstein Dr. Herbert Meyer Foto rechts: v.l. Jürgen Moog, Peter Nicolay und Landrat Michael Cyriax

Jürgen Moog zeigte auf, dass Sicherheit nicht eindeutig definiert ist und eine Vielzahl von Aspekten beachtet werden müssen. Infolge der Globalisierung mit den Schattenseiten Internationaler Terrorismus, Organisierte Kriminalität, Illegale Migration, Wirtschaftsspionage, Umweltgefahren, Epidemien/Pandemien und auch Ressourcenknappheit reicht es nicht auch sich beim Thema Sicherheit „nur“ auf die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu konzentrieren.

Ganz wesentlich bei der Frage Sicherheit sind deren objektive und subjektive Seite. Durch die Terroranschläge in Frankreich, Belgien und auch bei uns stieg die Angst von Terrorismus derart, dass von 2016 als dem Jahr der Angst gesprochen wird. In Umfragen tritt dagegen die ebenfalls gestiegene Kriminalitätsfurcht etwas in den Hintergrund.

Bei der Betrachtung der subjektiven Sicherheit sind die Soziale Kriminalitätsfurcht, nämlich die subjektive Einschätzung der Bedrohung der Gesellschaft durch Kriminalität, wichtig und die Personale Kriminalitätsfurcht, d.h. die Angst, selbst persönlich bedroht zu sein – also Opfer von Kriminalität zu werden. So mag Wirtschaftskriminalität als Bedrohung der Gesellschaft für viele relativ abstrakt sein, während die Furcht, infolge der steigenden Einbruchszahlen selbst Opfer zu werden, von vielen – vor allem Älteren – sehr persönlich und konkret empfunden wird.

 

Geschäftsführer Jürgen Moog

Um die Angst vor Terrorismus zu relativieren, stellte Jürgen Moog die subjektive Einschätzung von Terrorismus, Verkehrs- und Haushaltsunfällen dem tatsächlichen Risiko hierdurch zu Tode zu kommen gegenüber.

Die objektive Sicherheitslage wird durch die Polizeiliche Kriminalstatistik, die Gerichtliche Verurteiltenstatistik und durch Dunkelfelduntersuchungen dargestellt. Anhand von Häufigkeitszahlen, bei denen die Anzahl der Straftaten auf 100.000 Einwohner hochgerechnet werden, zeigte Jürgen Moog auf, dass der Main-Taunus-Kreis, Bad Soden und Königstein relativ sicher sind.

Häufigkeitszahlen für 2015; im Balken jeweils die Anzahl der Straftaten, oben auf den Balken die Häufigkeitszahlen

Eine Langzeitbetrachtung des Wohnungseinbruchs im Main-Taunus-Kreis belegt, dass die Einbruchszahlen zwar auf relativ hohem Niveau sind, aber längst nicht in dem Maße gestiegen sind wie in Hessen und Deutschland.

Von 2014 zu 2015 gingen die Fallzahlen sogar deutlich zurück (von 733 auf 619 Fälle) während die Wohnungseinbrüche deutschlandweit um 9,9% gestiegen sind.

Was können wir tun?

Wir müssen die Sicherheitslage analysieren, nämlich die objektive Sicherheitslage und das subjektive Sicherheitsgefühl. Vor allem müssen wir dabei eine breite Ursachenforschung vornehmen. Sodann gilt es, entsprechende Strategien/Konzepte zu entwickeln. Neben repressiven müssen vor allem präventive Konzeptionen entwickelt werden, die den Städtebau, Sicherheitstechnik, Personal und auch Sozialmaßnahmen beinhalten. Alle Sicherheitsträger und die Bürger müssen mit einbezogen werden. Der letzte Schritt ist die Wirkungsüberprüfung der Konzepte.

Präventionsräte im Main-Taunus-Kreis

Peter Nicolay berichtete, wie der Präventionsrat in 1998 durch den damaligen Landrat Jochen Riebel und den damaligen Polizeipräsidenten Wolfhard Hoffmann gegründet und wie er als Geschäftsführer eingesetzt wurde.

Geschäftsführer Peter Nicolay

Der Präventionsrat hat seine Geschäftsstelle im Landratsamt des Main-Taunus-Kreises, er ist Teil eines umfangreichen Netzwerks vielfältiger Präventionsgremien. Hierbei muss auch der Verein „Bürger und Polizei für mehr Sicherheit e.V.“  erwähnt werden. Verein und Präventionsrat veranstalten gemeinsam mit der Polizei Zeugenbelobigungen, wenn sich Bürger und Bürgerinnen durch besondere Zivilcourage oder die schnelle Verständigung der Polizei bei Straftätern am Werk auszeichnen. Dieser eingetragene und als gemeinnützig eingestufte Verein bietet natürlich auch die Möglichkeit Spendengelder zu akquirieren um das eine oder andere förderungswürdige Projekt (auch der Polizei)  unterstützen zu können.

Der Main-Taunus-Kreis hat als einziger Kreis in Hessen flächendeckend in allen 12 Städten und Gemeinden seit 2010 kommunale Präventionsräte, die selbstständig arbeiten und die sich zum Ziel gesetzt haben, Maßnahmen zur Verhütung von Kriminalität zu entwickeln und zu koordinieren.

Seit 01.09.2011 betreibt der Präventionsrat eine  eigene Homepage: www.praeventionsrat.de.  Dadurch wird den Präventionsgremien im Kreis eine gemeinsame Plattform angeboten, mit einem Link zur Homepage der jeweiligen Stadt oder Gemeinde.

Am Anfang wurde als einziges Präventionsprojekt das von Frankfurt übernommene „Gewalt – Sehen – Helfen“ betrieben. Mittlerweile sind es 600 in den Themenbereichen

  • Aggression und Gewalt
  • Sucht
  • Städtebau und Sicherheit
  • Schutz vor Allgemeinkriminalität
  • Primäre Kriminalprävention

Beispielhaft ging Peter Nicolay auf das Farbleitsystem, die Wohnungseinbruchsprävention und die aktuellen Projekte zur Vermeidung von Straftaten zum Nachteil älterer Menschen ein.

Was kann Kriminalprävention bewirken?

Kriminalprävention trägt dazu bei, die Kriminalität zu reduzieren und somit die Wahrscheinlichkeit Opfer zu werden. Die gesamtgesellschaftliche Zusammenarbeit wird optimiert. Das Vertrauen in den Staat wird verbessert, das Sicherheitsgefühl erhöht und insgesamt die Lebensqualität gesteigert.

Den Vorträgen schloss sich eine rege Diskussionsrunde an.

Peter Nicolay und Jürgen Moog