January 2013: „Wie schütze ich mich vor Betrug und Diebstahl“ – ein Seminar für Senioren

Straftaten zum Nachteil älterer Menschen stehen immer wieder im Focus der Allgemeinheit. Sie sind ganz besonders geeignet, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nachteilig zu beeinflussen.

Allein im Main-Taunus-Kreis wurde im vergangenen Jahr der so genannte „Enkeltrick“ 18-mal registriert. Da gerade Senioren sich oft schämen, auf solch eine üble Abzocke reingefallen zu sein, gibt es sicherlich einige Taten mehr, die nicht zur Anzeige gebracht wurden.

Der Präventionsrat des Main-Taunus-Kreis und die kommunalen Präventionsräte bieten ein breites Spektrum an Projekten an, darunter auch eines, das die Aufklärung und Beratung von Senioren zu Diebstahl und Betrug zum Inhalt hat. In diesem Seminar wird mittels der üblichen Vortragstechnik in kurzer Zeit ein guter Überblick über das große Spektrum der Straftaten gegeben, durch die Senioren betroffen sein können.

Leider zeigte die Evaluation des Projektes deutliche Defizite bei der Nachhaltigkeit der Informationsvermittlung, da die Erinnerung an die im Vortrag gegebenen zahlreichen Fakten schnell verblasste. Um dieses Problem zu minimieren, entwickelte der Ermittlungsgruppenleiter der Polizeistation Eschborn, Jörg Zollmann, ein Alternativkonzept für die Durchführung von Seminaren für Senioren.

Wesentlicher Bestandteil seines Konzeptes ist die aktive Beteiligung der Teilnehmer an der Lösungsfindung. Dazu kommen seniorengerechte Spiele, welche die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit erhalten und steigern können.

PHK Zollmanns Konzeptvorstellung bei der Sitzung der Präventionsräte des Main-Taunus-Kreises hatte eine überaus positive Resonanz. Bei der „Generalprobe“ am 22.01. und 27.01.2013 in Eschborn-Niederhöchstadt im Seniorentreff der Nikolaus- Gemeinde war der Präventionsrat Eschborn Partner und sein Konzept ein Projekt des Präventionsrates. (Siehe auch http://www.praeventionsrat.com/images/pdfs/Eschborn/Seniorenseminare_zu_Betrug_und_Diebstahl_Esch.png ).

Foto 1: Gleich zu Beginn mussten sich die Teilnehmer einem Test unterziehen

An den beiden Projekttagen wurden jeweils in drei Stunden die einzelnen Delikte: EC-Kartenbetrug, Ausspähen von Daten, Skimming, Phishing, Taschen- und Trickdiebstahl, Haustürbetrug (falsche Handwerker, Polizisten etc.), Enkeltrick und neue Variationen des Enkeltricks, Gewinnversprechen, Gewinnspiele, falsche E-Mails und weitere Themen erklärt, besprochen und Verhaltensmuster erarbeitet, um nicht Opfer einer solchen Straftat zu werden.

Foto 2: Mittels Metaplantechnik werden die in Gruppen erarbeiteten Ergebnisse festgehalten und besprochen

Fast jeder der 24 Teilnehmer berichtete von persönlichen Erfahrungen in diesen Bereichen. Der rege Austausch untereinander brachte immer neue Lösungsansätze zum Vorschein.

Foto 3: Persönliche Aufzeichnungen, PIN, pp. werden verbrannt

Ein Highlight des Seminars war das Rollenspiel „Enkeltrick“. Zwei Polizeibeamte der Polizeidirektion Main-Taunus demonstrierten anhand eines nachgespielten, so tatsächlich stattgefundenen Telefonates, mit welchen Tricks gearbeitet wird, um die Opfer reinzulegen:

Foto 4: v.l. PHK Niebauer (PSt. Kelkheim) und POK Rathje (PSt. Hofheim) führen das Täter-Opfer-Telefonat

Die Täter gehen immer wieder ähnlich vor. Sie eröffnen das Gespräch mit den Worten: „Rate mal wer dran ist?“ Geht das Opfer darauf ein und nennt einen Namen aus dem Kreis der Verwandten, ist der Einstieg gefunden und den Tätern gelingt es oft, das Opfer davon zu überzeugen, dem „Enkel“ (oder anderen Verwandten), bzw. dessen Boten, Geld zu übergeben, weil dieser ein Auto, eine Wohnung… kaufen möchte. Die Gründe, warum das Geld gerade jetzt gebraucht wird, erscheinen dem Opfer plausibel. Das böse Erwachen erfolgt später.

So ähnlich läuft es auch bei anderen, allerdings etwas rückläufigen, „krummen Geschäften“ ab. Immer wieder gelingt es den Tätern, ihr Opfer davon zu überzeugen, die angebotene Ware (Lederjacke, Teppich…) sei ein Schnäppchen und sonst für diesen Preis nicht zu haben. Zu Beginn wird meist vorgespielt, man kenne sich doch aus dem Urlaub oder sei ein alter Arbeitskollege eines Angehörigen. Das vermeintliche Sonderangebot entpuppt sich später als billiges Plagiat.

Aktuell führt die Masche „ich bin von der Süwag, Mainova, der Schornsteinfeger…“ „ Ich muss dringend etwas in ihrer Wohnung reparieren, austauschen …, zum Erfolg. Der Täter lenkt das Opfer so geschickt ab, das meist nicht bemerkt wird, dass der Täter eine zweite Person in das Haus, die Wohnung lässt. Erst vor zwei Wochen gelangten zwei falsche Schornsteinfeger in die Wohnung eines 73jährigen aus Niederhöchstadt. Anschließend fehlten Wertsachen und Bargeld. Selbst der schon eher als alt zu bezeichnete Trick, nach einem Glas Wasser zu fragen, um in die Wohnung zu gelangen, funktioniert noch immer.

Auch für diesen Deliktsbereich erarbeiteten sich die Seminarteilnehmer Methoden, um wirklich sicher zu sein, den echten Mitarbeiter eines Versorgungsbetriebes, den echten Polizisten, Schornsteinfeger, Mitarbeiter des Sozialamtes usw. vor sich zu haben.

Nach insgesamt 6 Stunden Seminardauer waren sich die Teilnehmer einig darüber, dass sie wertvolle Informationen, gegenseitige Anregungen und selbst erarbeitete Strategien mitnehmen.

Foto 5: Pausenspiel, bei dem die Aufmerksamkeit erweitert wird für Ereignisse im Umfeld, indem eine Flasche kreist, während ein Ball zugeworfen wird

Die Zeit verging wie im Fluge. Gerade die aktiven Pausen mit Bewegungsspielen, die gleichzeitig auch zum Denken anregten, ließen Müdigkeit erst gar nicht aufkommen. Die Senioren versprachen, ihr Wissen an andere weiter zu geben und ein offenes Ohr zu haben, wenn ein Nachbar, Freund oder Verwandter von einem tollen Gewinn, merkwürdigen Anruf oder Schnäppchen erzählt.

Das Erfolgmodell soll in allen Kommunen des Main-Taunus-Kreises durchgeführt werden. Deshalb nahmen Vertreter der Polizeistationen Hofheim und Flörsheim sowie der Direktionsleiter an dem Seminar teil.

PHK Jörg Zollmann, Polizeistation Eschborn