August 2013: Prävention beim Sommernachtsfest Bad Soden am Taunus –

Am Samstag, 17. August 2013, fand wieder das Sommernachtsfest in Bad Soden am Taunus statt. Dieses von der Stadt Bad Soden ausgerichtete Fest ist das Größte im Osten des Main-Taunus-Kreis und stellt für alle Verantwortlichen bei Stadt, Hilfsdiensten und Polizei eine besondere Herausforderung dar.

Foto 1-3: Festbesucher im Kurpark, Am Quellenpark und auf der Königsteiner Straße

Bei angenehmem Sommerwetter kamen ca. 45.000 Besucher, die sich auf dem Festgelände des Alten Kurparks und den Straßen, Gassen und Plätzen in der Bad Sodener Altstadt verteilten. Mehr als 150 Stände Bühnen, Theken und Tanzflächen luden die Besucher zum Essen, Trinken, Tanzen und Trödeln ein. Für die Jugendlichen bot die Mobile Jugend- und Suchthilfe des Main-Taunus-Kreises im Kurpark eine Möglichkeit an, alkohol- und drogenfrei zu „Chillen“ in der „Chillout-Lounge“.

Foto 4 und 5: Chillout-Lounge mit Getränkestand

Dass nicht alle Jugendlichen dieses Angebot annahmen, war der Polizei und dem Ordnungsamt der Stadt Bad Soden natürlich bekannt, so dass einer der Einsatzschwerpunkte in der Alkohol- und Drogenprävention bei Jugendlichen lag. So beobachteten die Einsatzkräfte der Bundespolizei am Bahnhof und der Landespolizei auf dem Festgelände bereits den Zulauf von Jugendgruppen. Zahlreiche junge Leute zogen mit klimpernden und klirrenden Taschen in Richtung Sommernachtsfest. Nach der Feststellung des Alters wurden mehrere Flaschen alkoholischer Getränke zum Schutz der Jugendlichen eingezogen und ausgeschüttet.

Von 19:00 bis 22:00 Uhr wurden zwei gemischte Streifen von der Ordnungspolizei Bad Soden und der Polizeistation Eschborn gezielt für die Jugendschutzkontrollen eingesetzt. Hierfür hatte der Präventionsrat Teststreifen zur Feststellung von Alkohol zur Verfügung gestellt. Dabei ging es um Alkohol, der in selbstgemixten Getränken in Cola-/Fanta- oder Orangensaftflaschen pp. aufgespürt und sichtbar nachgewiesen werden sollte. Bei diesen gezielten Kontrollen wurden 42 Jugendliche kontrolliert und zehn „alkoholinfizierte“ Flaschen ausgeschüttet. Eine Gruppe von fünf Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, die am Rande des Kurparks kontrolliert wurde, hatte insgesamt 6 Gramm in mehrere Portionen aufgeteiltes Marihuana dabei. Nach Mitternacht wurde in einem abgezäunten Garten in der Altstadt eine weitere Gruppe von 12 Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren festgestellt, die gerade einen Joint mit 2,1 Gramm Marihuana vorbereiten wollten. Sie wurden den nicht erfreuten Eltern übergeben. Ein weiterer Jugendlicher warf beim Erblicken der Polizei einen Joint weg.

Foto 6: Rauschgift-Fund

Außerdem wurden 17 stark alkoholisierte Minderjährige den Eltern übergeben. Hier zeigt sich, dass zwar der Alkoholkonsum bei den Jugendlichen überwiegt, aber auch schon 14- Jährige mit Marihuana in Kontakt kommen. Die Jugendschutzkontrollen werden an dieser Problemlage im nächsten Jahr verstärkt ansetzen, zumal dahinter auch immer Straftaten stecken, die durch die Jugendlichen begangen werden. Ein Jugendlicher aus der erstgenannten Gruppe gab eine Einwilligungserklärung ab, dass sich die Jugendberatung und Suchthilfe des Main-Taunus-Kreis wegen eines Beratungsgespräches zur Suchtverhinderung mit ihm in Verbindung setzt.

Bereits im Vorfeld des Sommernachtsfestes hatte die Stadt Bad Soden mit den Einzelhändlern eine freiwillige Verkaufsbeschränkung hochprozentiger alkoholischer Getränke vereinbart, an die sich bis auf zwei überregionale Supermarktketten alle hielten. Bei den beiden Supermärkten wurden jedoch keine Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz festgestellt. Außerdem wurden alle Standbetreiber von der Stadt Bad Soden eindringlich auf die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen hingewiesen. Dies wurde offensichtlich befolgt, Verstöße wurden nicht nachgewiesen.

Foto 7: Disco

Die Verbindung von Alkohol, Musik und Gedränge schwört immer wieder Konflikte zwischen den Festbesuchern hervor. Dazu kommen einige Krawallmacher, die auf Konfrontation aus sind. Diese Mischung führt ohne Einschreiten der Polizei zu Schlägereien und Körperverletzungen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Polizei ihr Sicherheitskonzept mit einem hohen Personaleinsatz durchführen muss. Der Schwerpunkt liegt bei der Konflikterkennung und dem frühzeitigen Einschreiten gegen Aggressoren und Streithähne. Die Einsatzbeamten haben über 100 Personalien festgestellt – verbunden mit deutlichen Ansprachen. Uneinsichtigen Personen wurden schon um 21:45 Uhr die ersten Platzverweise für das Fest erteilt. Insgesamt wurden über 50 Personen des Festes verwiesen. Zwei Personen, die ihre Platzverweise ignorierten, endeten im Polizeigewahrsam.

Die polizeilichen Einsatzkräfte wurden gezielt an den bekannten Schwerpunkten im Kurpark, an der Disco-Veranstaltung hinter dem Rathaus und in der Kronberger Straße eingesetzt. Die meisten als Schlägerei gemeldeten Vorfälle waren Schubsereien, die schnell durch die Einsatzkräfte beendet und beruhigt werden konnten. Auf dem Festgelände kam es zu drei Körperverletzungen, die in Strafanzeigen mündeten. Außerhalb des Festgeländes erfolgten zwei Angriffe auf Festbesucher, die auf dem Nachhauseweg waren. Hier waren die Streifen des Regeldienstes der Polizeistation Eschborn zur Stelle und konnten zwei Angreifer festnehmen.

Ein konsequentes Durchsetzen der Sperrstunde um 01:00 Uhr fördert zwar den Unmut von Standbetreibern und Besuchern, ist aber erforderlich, um das Fest zu beenden und zu verhindern, dass der Alkoholpegel der Besucher und somit auch das Aggressionspotential weiter steigt. Es sorgt auch für Gerechtigkeit gegenüber den Standbetreibern, die sich an die Sperrstunde halten und denen, die gerne durch die Hintertür noch weiter Alkohol ausschenken würden. Der Marktmeister, Herr Marc Nördinger, von der Stadt Bad Soden, ging um 01:00 Uhr mit Einsatzkräften von Stand zu Stand und wies auf die Sperrstunde hin. In diesem Jahr gab es keine Schwierigkeiten und auch keinen heimlichen Ausschank. Dadurch konnten größere Menschenansammlungen an den Getränkeständen nach der Sperrstunde verhindert werden, welche von der Polizei hätten aufgelöst werden müssen.

Foto 8: Comunicator-Kleidung

Auf dem Sommernachtsfest wurden in diesem Jahr so genannte „Communicator Teams“ (CT) eingesetzt. Es handelt sich um in Kommunikation besonders geschulte Polizeibeamte. Diese hatten angeboten, den CT-Einsatz auf dem Sommernachtsfest auszuprobieren. Erkennbar waren sie an ihren blauen Westen mit der Aufschrift „Polizei Communicator“. Sie kamen mit Besuchern ins Gespräch und erläuterten ihre Aufgaben. Ihrem besonderen Auftrag, bei der Durchsetzung der Sperrstunde Konflikte zu minimieren, brauchten sie nicht nachzukommen, da die Standbetreiber die Sperrstunde freiwillig oder auf Hinweis des Marktleiters befolgten.

Die Firma Messer stellte den Einsatz- und Rettungskräften wieder ihr Gelände zur Verfügung. Hier konnten Polizei, Feuerwehr und Deutsches Rotes Kreuz auf kurzem Wege Informationen austauschen und persönlich in Kontakt kommen. Die Bilanz des Rettungsdienstes am Ende des Fests waren insgesamt 74 Behandlungen. Davon mussten 15 in die Klinik. 13 Personen mussten wegen übermäßigem Alkoholkonsum behandelt werden. Von denen waren vier unter 16 Jahren. 29 Personen erlitten Schnitte, zu 80% von Glasscherben im Fuß, denn Flip-Flops und Sommernachtsfest vertragen sich leider nicht.

Für das nächste Jahr werden Stadt, Hilfsdienste und Polizei wieder alle Anstrengungen unternehmen, um ein friedliches Sommernachtsfest zu ermöglichen.

Ansgar Hoppelshäuser