February 2015: Prävention bei Faschingsumzügen und After-Zug-Partys in Eschborn, Flörsheim, Hattersheim und Fischbach – nicht immer erfolgreich

Die seit Jahren bewährten Präventionsmaßnahmen zum Jugendschutz und zur Begrenzung der Negativfolgen des Alkoholkonsums wurden in der zurückliegenden Faschingssaison im Main-Taunus-Kreis auch in 2015 durchgeführt. Die vielfältigen, größtenteils als Projekte angelegten, Präventionsmaßnahmen, die im Vorfeld der Veranstaltungen und natürlich bei der Durchführung ansetzten, waren diesmal nicht immer von Erfolg gekrönt.

Jugendschutz beim Faschingsumzug in Eschborn

Am Faschingssamstag, dem 14.02.2015, fand ab 13:11 Uhr, wieder der traditionelle Umzug statt, der von Niederhöchstadt ausgehend, mit insgesamt 115 Zugnummern durch die Stadt bis zum Rathausplatz in Eschborn führt. Der Faschingsumzug wird leider von Heranwachsenden, Jugendlichen und auch Kindern genutzt, um Alkohol zu trinken. Daraus resultieren schwere körperliche Folgen bis hin zur Suchtgefahr, aber auch ein gehöriges Aggressionspotential.

Da sich die Shell-Tankstelle, in Höhe Hauptstraße 235, in den letzten Jahren zu einem Treffpunkt alkoholisierter Jugendlicher und Heranwachsender entwickelt hat, wurden analog der Vorjahre präventive Maßnahmen getroffen, um den genannten Personenkreis über die Folgen exzessiven Alkoholkonsums aufzuklären bzw. davon abzuhalten.

Foto1 - 3: Junge Leute an der Shell-Tankstelle in Niederhöchstadt

Obwohl im Vorfeld wieder ein Brief der Schulleitung der Heinrich-von-Kleist-Schule an die Eltern der Schülerinnen und Schüler verschickt wurde, am Umzugstag kostenlose alkoholfreie Getränke durch die Schülerinnen und Schüler der Heinrich-von-Kleist-Schule ausgeteilt wurden, die Main-Taunus-Scouts trinkende  Jugendliche ansprachen und Flyer verteilten, ist festzustellen, dass fast ausnahmslos alle ca. 400 – 500 Jugendlichen / Heranwachsenden, die sich zum Zeitpunkt des Umzuges an der Tankstelle aufhielten,  bereits mit alkoholischen Getränken aller Art zum Tankstellengelände kamen. Eine Vielzahl führte bereits, teilentleerte Flaschen oder Dosen mit. Auf dem Tankstellengelände bzw. auf der Straße davor ging der Alkoholkonsum dann munter weiter. Zum Teil konnte beobachtet werden, dass die kostenlos gereichten alkoholfreien Getränke gerne angenommen und anschließend mit Alkoholischem versetzt wurden.

Stichproben, die mittels Teststreifen durch die Stadt- und die Landespolizei durchgeführt wurden, ergaben, dass eine Vielzahl “vermeintlich alkoholfreier Getränke“ mit Alkohol versetzt war.  Junge Erwachsene führten hochprozentigen Alkohol, wie etwa Kräuterliköre, Wodka o.Ä. mit.

Insbesondere wegen der Situation an der Shell-Tankstelle ist eine intensive Nachbereitung mit allen Verantwortlichen angezeigt.

Gert Köth, Polizeistation Eschborn

“Main-Taunus-Scouts” und Jugendschutzkontrollen beim Faschingsumzug in Hattersheim und bei der After-Zug-Party im Innenhof des Alten Posthofes

In diesem Jahr rollten am Faschingssamstag, 14.02.2015, ab 14:11 Uhr 75 Zugnummern beim Faschingsumzug mit ausgesprochen schönem Wetter durch Hattersheim. Ca. 20.000 Besucher säumten die gesamte Zugstrecke.

Foto 4: Reges Treiben und ausgelassenen Stimmung bei sonnigem Wetter am Hessendamm

Im Vorfeld des Umzugs waren die Main-Taunus-Scouts präsent, um Jugendlichen die Folgen des Alkoholkonsums darzulegen. Auch die eingesetzten Polizeibeamten, darunter eine Einheit der Bereitschaftspolizei, führten im Rahmen von Jugendschutzkontrollen viele Gespräche mit Jugendlichen und klärten über die Gefahren von Alkohol und Rauchen auf.  Die angesprochenen Jugendlichen waren nach einigen erläuternden Worten bereit, ihre meist selbst hergestellten Mischungen auszuleeren.

Foto 5-7: „Wie alt seid Ihr denn Mädels?“ möchte dieser Polizist der Polizeistation Hofheim von einer Gruppe Teenis wissen. Alle sind zwar über 16 Jahre jedoch unter 18 Jahren alt. In einem Aufklärungsgespräch wurde durch die Polizei auf die Gesundheitsgefahren des Rauchens hingewiesen und dass es für Jugendliche unter 18 Jahren nicht erlaubt ist in der Öffentlichkeit zu rauchen. Letztlich siegte die Vernunft, und die Zigaretten kamen in den Abfall.

Infolge des Wegfalls der Stadthalle wurde die Afterzugparty in den Innenhof des Alten Posthofes verlegt und vom FC Eddersheim ausgerichtet. Dies nutzten ca. 700 Personen.

Beim diesjährigen Faschingsumzug und bei der Afterzugparty kam zu keinen besonderen Vorkommnissen. Hierzu hat sicherlich auch die gemeinsame  Vorbereitung eines Gesamtkonzeptes inklusive der Umsetzung durch alle für den Umzug Verantwortlichen beigetragen. Bewährt hat sich einmal mehr die Mischung aus Präventionsarbeit und Sanktionsmaßnahmen beim Hattersheimer Umzug, insbesondere am Vorplatz der Sparkasse und in der Frankfurter Straße.

Jörg Schmidt, Polizeistation Hofheim

 Präventionsaktionen beim Faschingsumzug in Flörsheim mit anschließender After-Umzugs-Party

Am Sonntag, den 15.02.2015, startete um 14.11 Uhr der “Flerschemer” Fastnachtsumzug mit 139 Zugnummern auf die 4,3 km lange Strecke. Aufgrund des hervorragenden Wetters standen weit über 30.000 Zuschauer an der Zugstrecke. Begünstigt wurde die hohe Zuschauerzahl wahrscheinlich noch durch den in diesem Jahr in Hofheim turnusgemäß nicht durchgeführten Umzug.

Um dem Alkoholmissbrauch vorzubeugen, wurden bereits in der Woche vor Fasching die Tankstellen durch den ersten Stadtrat Herrn Sven Hess angeschrieben und Aufklärungsarbeit hinsichtlich Alkoholverkauf an Jugendliche betrieben. Vor Beginn des Umzuges, während der Zulaufphase, wurden die “Main-Taunus-Scouts” eingesetzt.

Foto 8 - 10: Die Main-Taunus-Scouts im Einsatz

An den Verkehrsabsperrpunkten zur Innenstadt wurden durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes Flörsheim und der Polizei stichprobenartig Jugendliche auf das Mitführen „harter“ Alkoholika kontrolliert. Es wurden in diesem Jahr keine Schnapsflaschen vorgefunden. Dennoch war der Alkoholkonsum offensichtlich wieder erschreckend hoch, wie die späteren Vorfälle zeigen.

Die anschließende After-Zug-Party wurde von ca. 2.000 Narren besucht. Die Party an sich verlief wieder friedlich und wurde pünktlich um 20.00 Uhr beendet. Kurz vor Ende des Zuges und im Umfeld der After-Zug-Party kam es in diesem Jahr leider zu zahlreichen Streitigkeiten und Körperverletzungen.
Die Einsatzkräfte waren praktisch pausenlos im Einsatz. Herausragender Vorfall war gegen 16.30 Uhr, noch während des Umzuges, eine Auseinandersetzung zwischen Zuschauern und Hausbewohnern in der Hauptstraße (direkt am Gallus), die sich in den Innenhof des Hauses verlagerte. Dabei wurde durch eine noch unbekannte Person Tränengas bzw. Pfefferspray eingesetzt.
Allein hier gab es fünf Verletzte durch Pfefferspray, eine Kopfplatzwunde und eine Schnittverletzung an der Hand.

Auch der Rettungsdienst hatte in diesem Jahr fast doppelt so viele Einsätze zu verzeichnen. 83 (54) Einsätze mit 48 (35) Patienten, 19 (11) Transporte ins Krankenhaus, 17 (6) Versorgungen in der Unfallhilfestelle. In Klammern = 2014.

Polizeilich relevante Vorfälle:
– zahlreiche Gefährderansprachen und 15 Platzverweise
– 5 x Inverwahrungnahmen zur Durchsetzung von Platzverweisen bzw. zur Ausnüchterung
– 2 x Verbringungsgewahrsam nach Rüsselsheim
– 1 x Sachbeschädigung an PKW
– 1 x Taschendiebstahl
– 5 x Anzeigen wegen Körperverletzungsdelikten
– 2 x Trunkenheitsfahrt (Sonntagnacht und Montagnacht)

Die Bundespolizei war mit neun Beamten bis gegen 21.00 Uhr im Dienst. Eine Frau wurde gegen 17.30 Uhr auf den Bahngleisen angetroffen. Sie äußerte Freitodabsichten und wurde eingewiesen.
Gegen 22.15 Uhr befand sich eine Personengruppe auf den Gleisen. Der Zugverkehr wurde kurzfristig angehalten. Eine Person wurde festgenommen und der Bundespolizei übergeben.

Zur Verbesserung der Sicherheit bei der nächsten Fastnachtskampagne muss der diesjährige Verlauf intensiv nachbereitet werden.

Siegfried Ambros, Polizeistation Flörsheim

Jugendschutz beim Faschingsumzug in Kelkheim-Fischbach

Der „Fischbacher Carneval-Verein e. V.“ veranstaltete in diesem Jahr am Rosenmontag im Kelkheimer Stadtteil Fischbach den 47. Fastnachtsumzug. Start war um 14:11 Uhr, Veranstaltungsende ca. 16:00 Uhr.

Der Zug bestand aus 77 Gruppen mit 1.055 Teilnehmern und war stehend ca. 900 m lang. Bei guter Witterung kamen ca. 10.000 Besucher. Ca. 1 Stunde vor Beginn der Veranstaltung nahmen zwei Teams der „Main-Taunus-Scouts“ vom Jugendbildungswerk MTK, Fachstelle für Suchtprävention, Kontakt zu den Jugendlichen im Bereich der Zugstrecke auf. Viele junge Personen wurden auf die Gefahren von Alkoholmissbrauch hingewiesen und beraten. Polizeibeamte führten im Vorfeld der Veranstaltung gezielte Alkoholkontrollen bei den Jugendlichen durch und vernichteten ca. 20 Liter Alkohol in Flaschen.

Foto 11 -13: Zum Teil dichtes Gedränge am Rosenmontagszug

Tage vor der Veranstaltung nahmen die Mitarbeiter vom Ordnungsamt Kelkheim Kontakt zu den örtlichen Lebensmittelläden mit dem Hinweis auf, keinen Alkohol an Kinder und Jugendliche (gemäß Jugendschutzgesetz) zu verkaufen. Trotz dieser präventiven Maßnahmen zur Reduzierung von Alkoholmissbrauch versammelten sich ca. 300 bis 400 junge Menschen vor der bekannten Örtlichkeit in Kelkheim-Fischbach, der dortigen Taunussparkasse, und tranken übermäßig viel Alkohol. Auch nachdem der Discjockey die Musik in Absprache mit der Polizei gegen 16:00 Uhr einstellte, löste sich erst gegen 17:30 Uhr die Menge langsam auf. Gegen 18:00 Uhr konnte die Straße für den Fahrzeugverkehr wieder freigegeben werden. Auffallend und nicht erklärbar war eine äußerst aggressive Stimmung unter den Jugendlichen nach dem Ende des Aufzuges.
Während bzw. in unmittelbaren Anschluss des Umzuges mussten durch die Polizei folgenden Maßnahmen getroffen werden:

– 6 Platzverweise
– 3 Festnahmen und Sistierungen i.Z.m. der Durchsetzung der Platzverweise
– 3 Anzeigen wegen Widerstand gegen Polizeibeamte i.Z.m. diesen 3 Festnahmen
– 1 Anzeige wegen Beleidung
– 1 Anzeige wegen Körperverletzung eines Polizeibeamten
– 2 Anzeigen wegen wechselseitige Körperverletzung unter 2 Frauen entlang der Zugstrecke

Durch die Malteser Kelkheim-Fischbach wurden insgesamt 18 Menschen behandelt, davon 12 ambulant. 12 der 18 Patienten waren stark alkoholisiert. Die Unfallhilfestation in Fischbach versorgte sechs Personen. Insgesamt sechs Personen wurde stationär im Krankenhaus aufgenommen. Drei Personen erlitten Schnittverletzungen durch Glas sowie Verstauchungen.

Die Präventionsmaßnahmen erwiesen sich wiederum als sinnvoll und wichtig. Trotzdem verlief der Umzug leider nicht so fröhlich und friedlich wie im letzten Jahr. Auch hier ist eine Nachbereitung mit allen Verantwortlichen erforderlich, damit es im nächsten Jahr wieder besser läuft.

Manfred Braun, Polizeistation Kelkheim