November 2016: 24 weitere Sicherheitsberater für Senioren im Main-Taunus-Kreis ausgebildet

Nachdem im Juni und Juli dieses Jahres bereits 72 Sicherheitsberater für Seniorinnen und Senioren (SfS) in drei jeweils zweitägigen Seminaren im Main-Taunus-Kreis ausgebildet wurden, absolvierten am 4. und 5. November 24 engagierte Bürgerinnen und Bürger eine weitere Ausbildungsrunde. Damit stehen insgesamt 96 SfS für die Aufklärung älterer Menschen über Kriminalitätsbereiche, die speziell sie betreffen, wie den Enkeltrick, falsche Gewinnversprechen, Taschen- und Trickdiebstahl sowie Betrügereien an der Haustür zur Verfügung. Ihre Ausbildung umfasst die Beratung, inkl. der Tipps zur Vermeidung dieser Straftaten sowie die Themen Opferschutz, die Sicherheit der Senioren im Straßenverkehr und die Gefahren im Internet.

Das Präventionsprojekt SfS wurde gemeinsam von Polizei (Polizeipräsidium Westhessen und Polizeidirektion Main-Taunus) und den Präventionsräten im MTK entwickelt und umgesetzt. Die Schulungen erfolgten in enger Zusammenarbeit zwischen dem Präventionsrat Main-Taunus-Kreis, der Polizeidirektion Main-Taunus und dem Polizeipräsidium Westhessen, Stabsbereich E4 – Prävention in Sulzbach, Eschborn und Hofheim.

Landrat Michael Cyriax (ganz rechts) begrüßt die Seminarteilnehmer im Raum Höchst. An der Wand stehend v.l.: Polizeidirektor Peter Liebeck, Polizeihauptkommissar Jörg Zollmann (Referent für Trickdiebstahl und -betrug), Polizeioberkommissarin Bettina Chrysakopoulos (Referentin für Verkehrssicherheit), Kriminaloberkommissar Andreas Grillich (Referent für Internetkriminalität und Opferschutz) und Geschäftsführer Präventionsrat MTK Jürgen Moog

Die Teilnehmer der vierten Ausbildungsrunde wurden am 4. November, 13:00 Uhr im Landratsamt von Landrat Michael Cyriax begrüßt. „Viel zu oft lesen wir von Fällen in der Zeitung, bei denen ältere Leute mit Trickbetrügern konfrontiert wurden. Hier setzen die Sicherheitsberater an“, so Landrat Michael Cyriax. „Wir wollen den Menschen keine Angst machen, sie jedoch für Gaunereien wie den ‚Enkeltrick‘ sensibilisieren. Eine Portion Misstrauen kann da nicht schaden.“

Die Seminarteilnehmer stellen sich vor

Opferschutz und Opferhilfe

Im ersten Ausbildungsabschnitt referierte der Opferschutzbeauftragte des PP Westhessen, Kriminaloberkommissar Andreas Grillich von der Abteilung Einsatz – E 4 – Prävention, darüber, was Opferschutz und Opferhilfe eigentlich bedeuten. Er definierte den Begriff „Opfer“ sehr breit und erklärte, wer überhaupt Opfer sein kann.

Kriminaloberkommissar Andreas Grillich referiert über das Thema Opferschutz

Anschließend informierte er die Seminarteilnehmern über „Opferrechte“ und  „Zeugenaussagen bei der Polizei“. Er zeigte auf, welche Opferhilfeeinrichtungen es im Main-Taunus-Kreis gibt und stellte entsprechende Unterlagen für die Teilnehmer zur Verfügung.

Senioren im Internet – aber sicher!

Fachliches Wissen im Bereich Internetkriminalität vermittelte Herr Grillich im zweiten Ausbildungsabschnitt in seiner weiteren Funktion als Fachberater für Internetprävention. Die SfS benötigen auch in diesem wichtigen Kriminalitätsfeld Basisinformationen, um die Bürger entsprechend beraten zu können.

Kriminaloberkommissar Andreas Grillich informiert über Internetkriminaität

Herr Grillich stellte sehr anschaulich dar, welche Gefahren bei der Nutzung des Internets lauern und wie man seinen PC vernünftig gegen Angriffe von außen sichern kann. Ebenso erläuterte er die Gefahren beim Online-Banking und Online-Shopping sowie die Problematik der sozialen Netzwerke und die Nutzung von Passwörtern. Seinen Vortrag rundete er mit zahlreichen Beispielen und aktuellen Phänomenen im „Netz“ ab.

Sicherheit für Senioren im Straßenverkehr

Polizeioberkommissarin Bettina Chrysakopoulos, die ebenfalls im PP Westhessen bei der Abteilung Einsatz – E4 – Prävention tätig und neben der technischen Sicherheitsberatung verantwortlich für die Senioren- und Verkehrsprävention ist, vertiefte in ihrem Vortrag das bereits vorhandene Hintergrundwissen der Seminarteilnehmer zur Sicherheit der Senioren im Straßenverkehr. Sie ging dabei ausführlich auf mögliche Gefahren und Problemstellungen beim Führen von PKW, Fahrrädern oder auch als Fußgänger ein.

Polizeioberkommissarin Bettina Chrysakopoulos spricht über Verkehrssicherheit für Senioren

Eine große Rolle spielen dabei u.a. die körperlichen und geistigen Einschränkungen im Alter sowie alterstypische,  gesundheitliche Probleme, die eine aktive Teilnahme am Straßenverkehr negativ beeinflussen können. Unter Berücksichtigung der Einschränkungen und Probleme erläuterte Frau Chrysakopoulos, welche Möglichkeiten im Alter bestehen, damit man so lange wie möglich verantwortungsbewusst am Straßenverkehr teilnehmen kann.

Straftaten zum Nachteil älterer Menschen

Polizeihauptkommissar Jörg Zollmann erläuterte den angehenden SfS die vielfältigen Trick-/Taschendiebstahls- und Betrugsformen, mit denen vor allem ältere Menschen konfrontiert werden können. Die Seminarteilnehmer begriffen schnell, mit welchen Tricks und Methoden Betrüger, Trick- und Taschendiebe vorgehen, um an das Geld oder den Schmuck ihrer vorwiegend älteren Opfer zu kommen, denn häufig sind es nur Variationen älterer Vorgehensweisen, die angepasst werden.

Jörg Zollmann brachte die angehenden SfS mit einer Koordinations- und Konzentrationsübung gehörig in Bewegung

Herr Zollmann bezog die angehenden Sicherheitsberater immer wieder in die Fallbeispiele mit ein. Er spielte dabei häufig selbst die Rolle eines Straftäters und ließ die Seminarteilnehmer auf diese Art und Weise erleben, wie sich der Täter seine Opfer aussucht. Teilnehmer, die selbst schon Erfahrungen mit Betrügern gemacht hatten, schilderten ihre Erfahrungen.

So entstand für die Seminarteilnehmer ein differenziertes Bild aus Täter- und Opfersicht.

Die Teilnehmer werden unter gehörigen Zeitdruck gesetzt und zusätzlich abgelenkt, um die Situation bei Haustürverträgen nachvollziehen zu können.

Ziel des Seminar war es, dass die angehenden SfS erkennen, dass schon wenige, einfache,

aber fest einstudierte Verhaltensregeln helfen,  nicht Opfer zu werden. Mit dieser Erkenntnis und dem nötigen Wissen dazu, stellte sich am Ende des Seminars bei allen Teilnehmern das gute Gefühl ein, mit fundiertem Rat helfen zu können.

Zum Abschluss der Seminare erhielten die 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch den Geschäftsführer des Präventionsrates Jürgen Moog ihre Zertifikate  über die erfolgreiche Ausbildung als SfS. Außerdem bekamen sie Ausweise, Namensschilder, Visitenkarten und Taschen mit dem Aufdruck „Sicherheitsberater für Seniorinnen und Senioren“ und eine Fülle von Informationsmaterial.

Geschäftsführer Präventionsrat MTK überreicht die Urkunden und Polizeihauptkommissar Jörg Zollmann die Taschen mit Ausweis, Namensschild und Visitenkarten linkes Foto: SfS Herrmann (hauptamtlich als Seniorenberaterin in Eppstein tätig), mittleres Foto: ehem. Kreisbeigeordneter und Polizist Horst Breunig (Hofheim), rechtes Foto: Jugendsozialarbeiter Matthias Engel (Hofheim)

linkes Foto: Berthold Neitzel, der bereits mehrfach für seine Mithilfe bei der Festnahme von Straftätern belobigt wurde (Hofheim), mittleres Foto: Werner Reich, ehemaliger Polizist, 80 Jahre alt (Hochheim) und rechtes Foto: Ehepaar Rosemarie und Karl-Heinz Sprungk (Kelkheim)

Die 96 SfS verteilen sich wie folgt auf die 12 Kommunen des Main-Taunus-Kreises:

  • Bad Soden:               8 SfS
  • Eppstein:                  2 SfS
  • Eschborn:               10 SfS
  • Flörsheim:                4 SfS
  • Hattersheim:            6 SfS
  • Hochheim:              10 SfS
  • Hofheim:                 12 SfS
  • Kelkheim:                10 SfS
  • Kriftel:                       4 SfS
  • Liederbach:              5 SfS
  • Schwalbach:             3 SfS
  • Sulzbach:                22 SfS

Das berufliche Spektrum der Teilnehmer ist enorm; unter ihnen sind 13 ehemalige Polizeibeamten, ein ehemaliger Ordnungspolizist und drei aktive Ordnungspolizisten. Nur sieben SfS sind unter 50 Jahren, der Jüngste ist 26, die Ältesten sind 80 Jahre. Schließlich ist die Grundidee des Projektes, dass ältere Menschen von Älteren quasi auf Augenhöhe beraten werden. Am letzten Seminar nahm ein 28jähriger Sozialarbeiter der Jugendarbeit Hofheim teil, der sein Wissen an junge Leute weitergeben will, damit sie ihre Großeltern bei den SfS-Themen beraten und unterstützen können. Eine tolle Idee!

v.l.: Geschäftsführer Präventionsrat MTK Jürgen Moog, Polizeihauptkommissar Jörg Zollmann, SfS Matthias Engel (Hofheim), SfS Bernd Sievers (Kelkheim), SfS Rolf-Egon Burger (Kelkheim), Polizeidirektor Peter Liebeck, SfS Berthold Neitze (Hofheim), SfS Karl-Heinz Sprungk (knieend, Kelkheim) SfS Achim Schmidt (Hofheim), SfS Anna Eleonore Voß (Hochheim), SfS Ulrike Langendorf (Kelkheim), SfS Paul Sehlbach (Kriftel) SfS Ute Herrmann (Eppstein), SfS Joachim Wölfel (Hofheim), SfS Sabine Glitz-Westenberger (Hofheim), SfS Erwin Schmitt (Hofheim), SfS Rosemarie Sprungk (Kekheim), SfS Ingrid Kairat (Hofheim), SfS Botho Schulte-Vieting (Liederbach), SfS Uwe Thöne (Schwalbach), SfS Horst Breunig (Hochheim), SfS Dietmar Kiesewetter (Hattersheim), SfS Rainer Brackmann (Kelkheim), SfS Ula Pfeuffer (Hattersheim), SfS Werner Reich (Hochheim)

Nun gilt es auch die neuen SfS in den Kommunen der Öffentlichkeit vorzustellen.

Systemisch sind die SfS gut angebunden: Die fachliche Koordination übernehmen Polizeihauptkommissar Zollmann und Polizeioberkommissarin Bettina Chrysakopoulos. Betreut werden sie durch Koordinatoren in den Kommunen, die den Sozialreferaten, den Ordnungsämtern und den Seniorenberatungen angehören.

Die Kommunikation (u.a. Einrichtung von Verteilern), turnusmäßige Treffen, Fortbildung und vor allem die Information der SfS über aktuelle Entwicklungen sind am Laufen. Derzeit wird die Webseite eines ehemaligen Polizeibeamten des Polizeipräsidiums Südosthessen für die SfS des Polizeipräsidiums Westhessen erweitert. Bis dahin kümmert sich der Präventionsrat MTK um die Information der SfS.

Die SfS sind hoch engagiert und bereits vielfältig eingesetzt. Zwei SfS haben Präsentationen erstellt und einige haben bereits Vorträge vor Seniorengruppen gehalten. Vor allem aber bedienen die SfS ihre Netzwerke mit Informationen und Tipps. Damit haben wir tatsächlich einen effizienten Zugang zu den älteren Menschen und tragen dazu bei, Straftaten zum Nachteil älterer Menschen zu vermeiden und für mehr Verkehrssicherheit zu sorgen.

Bettina Chrysakopoulos, Jörg Zollmann und Jürgen Moog